Werke

Mystiker sind stets in Gefahr, mißverstanden zu werden. Nach weit verbreiteter Meinung handelt es sich bei ihnen um Menschen, die es fertiggebracht: haben, mit der "Welt" und allem Irdischen zu brechen, um nur noch, im unsichtbaren Bereich der Schöpfung, im Göttlichen zu verweilen., Solchem Fehlurteil ist auch Therese Neumann nicht entgangen. Auch sie wurde nicht selten Opfer eines von der Wirklichkeit nicht gedeckten religiösen Schwärmertums. Doch gründlicher konnte man ihr Persönlichkeitsbild kaum verzeichnen. Die Stigmatisierte hatte sich zu keinem Zeitpunkt ihres Lebens vom "Hiesigen" vom Irdischen., abgemeldet. Seit je vertrat sie die Überzeugung, daß gerade im Hier und Heute jene Entscheidungen fallen, die unser ewiges Schicksal besiegeln. Daß zum Glauben das Werk treten müsse, wenn Glaube Überzeugen solle. Solche Gesinnung schließt eminent soziales Denken und weltoffenes Handeln ein.. Diese Haltung hat Therese Neumann Über ihr persönliches caritatives Wirken hinaus durch zwei große Projekte dokumentiert: die Spätberufenenschule Fockenfeld und das Anbetungskloster "Theresianum" in Konnersreuth. Ohne die Mystikerin von Konnersreuth gäbe es diese beiden segensreichen, Gründungen nicht. Ich verweise auf sie deshalb mit besonderem Nachdruck, weil die beiden Klöster in den Biographien der Stigmatisierten meist nur als kaum wesentliche Anhängsel ihrer Lebensgeschichte abgehandelt werden.

Noch weniger bekannt aber sind die Kraft und die Leidenschaft, die Therese Neumann umgetrieben haben, um ihre Pläne ins Werk , zu setzen. Keine anfängliche Enttäuschung vermochte sie zu entmutigen. Nur wer ihre durch nichts zu erschütternde, Hoffnung und ihre freudige Hingabe an die "Sache" kennt, wird ihrer Persönlichkeit ganz, gerecht. Mancher überschwänglich hingerissene Verehrer wird Sie aus den "Himmeln" seiner Phantasie wieder auf die Erde herunterholen: müssen, um ihr Werk und Wirken aus nächster Nähe bestaunen zu können.

Über die, Vorgeschichte der beiden Klöster durfte ich viel Aufschlußreiches vom Bruder der Stigmatisierten, Ferdinand Neumann, erfahren. Er selber war Zeuge jener Planungen. Er hat an ihnen mitgewirkt und ihren Fortgang, beobachtet. Die Gründung der, Spätberufenenschule Fockenfeld schilderte, er mir so:

"Meine Schwester Resl hatte seit langer Zeit eine besondere Beziehung zu den Oblaten des heiligen Franz von Sales in Eichstätt., Diese unterhielten bereits seit 1928 eine Schule für Spätberufene, allerdings nur in ganz kleinem Rahmen. Ich selber habe drei Jahre lang diese Schule besucht und machte dann die Aufnahmeprüfung in die sechste Klasse am humanistischen Gymnasium Sankt Stephan in Augsburg. Bei einem, der häufigen Besuche Resls in Eichstätt -etwa 1948 berichteten ihr die Salesianer, daß man die Schule erweitern müsse, weil immer mehr Anmeldungen von Schülern aus den verschiedenen Diözesen einträfen. Die Patres baten die Resl um ihre Gebetshilfe, damit ein passendes Gebäude gefunden werde. Wenig später erfuhr die Resl, daß das Schloßgut Fockenfeld verkauft werden solle. Es seien bereits Verhandlungen mit Vertretern der evangelischen Kirche geführt worden. In Fockenfeld sollte ein Diakonissenheim eingerichtet werden. Die Resl bat den Besitzer, diese Verhandlungen abzubrechen, denn sie habe einen ganz anderen Plan, den sie in Kürze vorlegen werde.

Der Besitzer machte darauf aufmerksam, daß der Kaufpreis von 450000 DM bar bezahlt werden müsse, weil er in Dillingen eine Strumpffabrik erwerben wolle. Die Resl nahm sofort Verbindung mit den Salesianern auf. Diese aber wußten nicht, wie das Projekt finanziert werden solle. Nicht minder wichtig war die Frage, ob der Regensburger Bischof die Niederlassung mit Seminar in seiner Diözese zulassen, werde. Deshalb sprachen die Resl und Pater Hans Riedl beim Bischof vor, um dessen Zustimmung zu erreichen. Zu dieser Besprechung ließ der Bischof den Prälaten Lorenz Rosner rufen, weil dieser aus der Pfarrei Konnersreuth stammte. Dieser riet von der Planung ab, schon deswegen, weil es sich bei Fockenfeld um einen "Gant-Hof" (einen Hof, der zur Versteigerung ansteht) handle und die Gebäude baufällig seien. Daraufhin erklärte der Bischof, man solle von diesem Projekt die Finger lassen. Es sei besser, wenn die Salesianer in Eichstätt blieben. Da zeigte sich die Resl in einem Maße erschüttert, daß sie in Tränen ausbrach.

Anschließend brachte ich die Resl zu Dompfarrer Höfner, einen Prälaten, der vor Jahren Stadtpfarrer von Waldsassen gewesen war. Er wußte, daß das Schloßgut in mustergültigem Zustand ist. Er beruhigte deshalb die Resl und versprach, er werde bei der nächsten Sitzung des Domkapitels die Sache klären. Es, dauerte nicht lange, da erlaubte Bischof Buchberger dem Orden der Salesianer die Gründung des Spätberufenenseminars in Fockenfeld. 1950 feierte man im Pfarrhof: zu Konnersreuth den achtzigsten Geburtstag des Pfarrers Josef Naber. Zum Festmahl waren nur einige Freunde geladen. Unter ihnen war auch Fürst Erich von Waldburg, zu Zeil mit seiner Gattin Monika. Der Fürst schätzte sich glücklich, diesem Freundeskreis angehören zu dürfen, und sagte: Wenn ich euch nur auch einmal eine Freude machen könnte. Da meinte die Resl: Wir haben ein ganz besonderes Anliegen, nämlich die Übernahme des Schloßgutes Fockenfeld durch die Salesianer und die Finanzierung des Projekts. Der Fürst meinte, es wäre für ihn eine Kleinigkeit, die Kosten zu übernehmen, wenn seine Verhandlungen mit der französischen Regierung erfolgreich verliefen. Es gehe um die Entschädigung von 160000 Festmetern Holz, die man in seinen Wäldern eingeschlagen habe. Darüber hinaus seien ihm schwere Verluste an wertvollem, Herdbuchvieh in seinen Gutshöfen entstanden. Ein Prozeß mit dem Ziel der Wiedergutmachung laufe schon seit Jahren. Da bat der Fürst die Resl um ihr Gebet, damit er Erfolg habe. Dann wäre er sofort bereit, die Finanzierung des Klosters und der Schule der Salesianer zu gewährleisten.

Nun hatte ich seit zwei Jahren gute Beziehungen zu Leuten, der "JEJA" in Frankfurt. Mein Freund Franz Joseph Strauß hatte mich in seiner Eigenschaft als Mitglied des bizonalen Wirtschaftsrates dort eingeführt. Die JEJA" war zuständig für alle Wirtschaftsfragen und die Wiedergutmachung von Besatzungsschäden in der , sogenannten Bizone, also für die von Amerikanern und Engländern besetzten Gebiete Deutschlands. Zu dem Leiter dieser Organisation, Moris S. Verner, trat ich bald in ein gutes Verhältnis. Seine Einstellung gegenüber den Deutschen war bemerkenswert positiv, Verner war Konvertit. Bei unserem ersten Treffen sagte er: Daß ich Amerikaner bin und Sie Deutscher sind, dafür können wir beide nichts. Aber uns verbindet die christliche Religion.' Auffallend war sein starkes Interesse an meiner Schwester.

Nun wollten Resl und ich diesen Mister Verner aufsuchen, um ihm die Sorgen des Fürsten vorzutragen und ihn um Hilfe zu bitten. Tagelang drängte mich die Resl, mit ihr doch nach Frankfurt zu fahren. Als wir dort ankamen, mußten wir erfahren, daß Verner zur Kur in Bad Harzburg weile. Der Ort lag weitab von Frankfurt. Die Fahrt dorthin, dachte ich, hätte die Resl wohl Überanstrengt. Doch sie drängte mich, weiterzufahren. So meldete ich mich denn telefonisch in Bad Harzburg an. Verner und, seine Gattin ließen erkennen, daß sie sich auf unseren Besuch sehr freuten. Resl trug dem Amerikaner sofort ihre Sorge um Fockenfeld vor und schilderte ihm die Notlage, in die der Fürst. geraten war. Doch Verner machte der Resl wenig Hoffnung auf Erfolg, denn er wisse genau, daß sich die Franzosen um jede Entschädigung herumzudrücken pflegen. Aber dennoch: Der Fürst solle ihm unverzüglich eine genaue Aufstellung seiner Schäden zuschicken. Er werde versuchen, Klarheit zu schaffen, obwohl er auf das französisch besetzte Gebiet keinen unmittelbaren Einfluß ausüben könne.

Spät am Abend traten wir die Heimreise nach Konnersreuth an. Die Resl nahm auf dem Rücksitz meines Autos Platz. Die Fahrt hatte sie sehr angestrengt. Der Fürst meldete sofort seine Schäden nach Frankfurt. Da geschah das völlig Unerwartete: Der Fürst erhielt eine Entschädigung in Höhe von 2,5 Millionen DM. Nun war er in die Lage versetzt, sein Versprechen einzulösen. Er Überwies den Salesianern als zinsloses Darlehen 450000 DM. Das Schloßgut konnte jetzt in den Besitz des Ordens der Oblaten des heiligen Franz von Sales Übergehen.

Was die, Patres seitdem aus diesem alten Schloßgut gemacht haben, nötigt Bewunderung ab. Ein Kloster entstand und eine Schule, ein humanistisches Gymnasium. Oft durfte ich dort die Gastfreundschaft der Priester und Lehrer erfahren. Mit ihnen verbinden mich auch heute noch vielfältige geistige und religiöse Interessen. So ließ ich denn auch keine Gelegenheit vorübergehen, um für diese Schule zu werben und möglichst viele junge' Menschen für sie zu begeistern. Nur selten war ich einer Bildungseinrichtung von solcher geistiger Geschlossenheit begegnet. Humanismus und Christentum haben hier eine ideale Heimat. Die Pflege beider Geistesrichtungen steht obenan. Aber auch die Naturwissenschaft hat hohen Stellenwert. Aus Anlaß des vierzigjährigen Bestehens der Schule im Jahre 1986 habe ich versucht, ihren Bildungsbestrebungen auch im Detail nachzugehen und sie publizistisch einem großen Leserkreis vorzustellen:

Die Spätberufenenschule Sankt Josef in Fockenfeld, nahe dem weltberühmten Konnersreuth gelegen, hat in diesem Jahr viel Anlaß zum Feiern und Danken. Die vom Orden der Oblaten des heiligen Franz von Sales gegründete Schule, ein humanistisches Gymnasium für sogenannte Spätberufene, darf nämlich ein beachtliches Jubiläum begehen. Vor vierzig Jahren ist sie ins Leben gerufen worden. Allerdings nicht in Fockenfeld, vielmehr in Eichstätt, wo , die Patres ein Klerikatshaus unterhielten. Als sich die Schule wenig später als viel zu klein erwies, galt es, nach einem neuen Standort Ausschau zu halten. Man fand ihn im oberbayerischen Schloß Hirschberg am Haarsee bei Weilheim. Da sich immer mehr Schüler meldeten, wurde die Frage ihrer Unterbringung aufs neue akut. Immerhin verblieb der Orden mit seiner Schule zwölf Jahre lang in Hirschberg. Aber nun war deren räumliche Erweiterung nicht mehr zu umgehen.


Das Fockenfelder Schloßgebäude mit seinem prächtigen Portal.

In dieser wahrhaft kritischen Situation bot sich der ehemalige Gutshof und einstige Sommersitz der Zisterzienseräbte von Waldsassen, Fockenfeld, zum Kauf an. Doch woher sollte der Orden die Finanzmittel nehmen, um dieses vielversprechende Gebäude zu erwerben? Da sprang nun keine Geringere als Therese Neumann in die Bresche. Denn der Plan, daß ganz in ihrer Nähe eine Bildungsstätte für Priesterberufe errichtet werden sollte, begeisterte sie. Als einmal Fürst Erich von Waldburg-Zeil die Stigmatisierte besuchte, weihte die "Resl" den hohen Gast in das Anliegen der Oblaten ein und fragte ihn, ob er nicht helfen könne. Der Fürst sagte zu, knüpfte jedoch seine Hilfeleistung an eine Bedingung: '"Resl, die Franzosen haben in meinen Wäldern Holz im Werte von einigen Millionen geschlagen. Da habe ich doch, ein Anrecht auf Entschädigung. Wenn du es zuwege bringst, daß ich diese erhalte, so helfe ich dir gerne beim Kauf von Fockenfeld. " Die Rückerstattung gelang. Denn nachdem Therese Neumann bei, einem einflußreichen Offizier der US-Besatzungsmacht in Frankfurt vorgesprochen hatte, wurde dem Fürsten Gerechtigkeit zuteil. Von der hohen Summe, die man ihm zuerkannte, stellte er 1951 dem Orden spontan so viel Geld zur Verfügung, daß dem Erwerb von Fockenfeld nichts mehr im Wege stand. So verdankt sich denn Fockenfeld im Grunde dem beherzten Zugriff der Stigmatisierten. Deshalb weiß ihr der Orden viel Dank. Thereses Bild hat in Fockenfeld einen Ehrenplatz.

Die Fockenfelder Schule wurde am 15. September 1955 mit fünfundsechzig Gymnasiasten eröffnet.. Der Regensburger Erzbischof Dr. Michael Buchberger erteilte dem Haus seinen Segen und meinte in seiner Ansprache: "Heute ist die Bildung des Volkes weit fortgeschritten. Da kann man nicht unvorbereitet die Kanzel besteigen. Daher müssen die Schüler dieses Hauses das Studium sehr ernst nehmen. Noch wichtiger aber als das Studium ist die Bemühung, recht beten zu lernen. Wir brauchen nicht nur tüchtige, sondern vor allem auch fromm' e Priester." Das war ein Programm.

Noch aber waren nicht alle Gymnasiasten der Spätberufenenschule in Fockenfeld vereinigt, denn erst nach umfangreichen Um- und Neubauten war es möglich, auch die in Hirschberg noch verbliebenen Schüler nach Fockenfeld zu rufen. Ab 8. September 1960 galt es, einhundertfünfzig Studenten zu unterrichten. Die längst ersehnte Zusammenfassung aber konnte erst geschehen, als genügend Unterrichts und Wohnräume zur Verfügung standen. Die Erweiterungsarbeiten erforderten viele Opfer und hohe Investitionen. Die Krönung all dieser architektonischen Bereicherungen war der Bau einer Seminarkirche, die der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Gräber am 16. Oktober 1968 konsekrierte. Eine besondere Sehenswürdigkeit dieses räumlich klar konzipierten und durchgehend liturgiebezogenen Bauwerks sind seine Glasfenster mit ihrer Verherrlichung der Heilstaten Christi in Leiden, Tod und Auferstehung. Ihr Schöpfer heißt Blasius Spreng. Die Kirche zählt heute zu den bemerkenswertesten neueren Sakralbauten der Nordoberpfalz.

Auf welche Ziele nun ist die Fockenfelder Schule ausgerichtet? Sie ermöglicht jungen Menschen, die bereits eine handwerkliche, kaufmännische oder sonstige Berufsausbildung hinter sich gebracht haben, in einem abgekürzten Studiengang den Erwerb des gymnasialen Reifezeugnisses mit Blick auf das spätere Studium der Theologie. Berufsziel ist nämlich das katholische Priestertum. Doch die bereits berufstätig Gewesenen sind in Fockenfeld heute nicht mehr die dominierende Gruppe. Außer ihnen nimmt die Anstalt auch Hauptschüler mit qualifizierendem Abschluß auf. Sie werden in fünf Jahren zum Abitur geführt. Ferner sind in Fockenfeld auch junge Leute mit mittlerer Reife willkommen. Sie erreichen nach vier Jahren. das Abitur. Schließlich können sich auch Gymnasiasten melden, die nach der neunten oder zehnten Klasse eine Schule mit spezieller Prägung suchen. Ihren Unterricht empfangen alle, in, klösterlicher Atmosphäre. Direktor Pater Dr. Max Hofinger dazu: "In unserem Hause leben und wirken zur Zeit zwanzig Ordensleute: acht Patres und acht Brüder sowie vier Mallersdorfer Schwestern. Allein schon durch die Begegnung mit diesem Personenkreis erleben, unsere Seminaristen das Besondere eines geistlichen Hauses." Pater Hofinger rühmte auch die der Besinnlichkeit Raum gebende Abgeschiedenheit des Klosters und die Nähe von Konnersreuth: "Ein Seminar braucht viele beharrliche Beter, ist doch Gottes Segen für das Keimen und Wachsen einer Berufung wesentliche Voraussetzung. Wir sehen im Anbetungskloster , von Konnersreuth (Theresianum) den Ort, wo für unsere Seminaristen Tag um Tag gebetet wird."

Die Fockenfelder Schule ist ein humanistisches Gymnasium, eine Anstalt also, in der die beiden alten ehrwürdigen Sprachen Latein und Griechisch eine herausragende Rolle spielen. Die Schüler werden intensiv in den Geist des klassischen Altertums eingeführt, nicht zuletzt durch die Lektüre jener unsterblichen Schriftsteller, Dichter und Philosophen, ohne die das christliche Abendland undenkbar wäre. Doch es bleibt nicht beim Sprachstudium. Auch für Mathematik und Naturwissenschaften etwa stehen wohlausgebildete Lehrer zur Verfügung, nicht minder für Musik und Sport. Doch nicht der "Spezialist" steht im Mittelpunkt der Fockenfelder Erziehungs- und Bildungsarbeit, sondern der auf Ganzheit und auf die Fülle des Lebens hin orientierte Mensch. Deshalb spielen die Schüler auch Theater und unternehmen mit ihren Lehrern Bildungsreisen, um sich neue geistige Horizonte zu erschließen und "weltfähig" zu werden. Natürlich fordern die wenigen Jahre bis zum Abitur den Schülern harte Arbeit ab. Doch alle sind mit sichtlicher Freude bei der Sache. Diese Hingabe an das Studium hat längst reiche Frucht getragen, denn nicht weniger als 250 ehemalige Fockenfelder sind Priester geworden. Andere arbeiten in kirchlichen Dienststellen oder sind im sozialen Bereich tätig.

Dem Fockenfelder Gymnasium erteilte bereits am 12. Oktober 1966 das Bayerische Kultusministerium die staatliche Anerkennung. Seitdem legen die Schüler ihre Abiturprüfung nicht mehr an einer fremden Lehranstalt, sondern im eigenen Hause ab. Die Gediegenheit und Erfolgssicherheit der Schule haben sich längst herumgesprochen. Maßgebliche' Persönlichkeiten des schulischen, geistigen und öffentlichen Lebens, sparen deshalb nicht mit Lob für die humanistisch ausgerichtete Zielstrebigkeit der Schule und ihrer Lehrer. So auch Bischof Manfred Müller von Regensburg: "Nach vierzig Jahren, seit 1955 in Fockenfeld, dürfen die Oblaten des heiligen Franz von Sales auf vielfältige Frucht ihrer dienenden Arbeit blicken. Die Statistik der Eintritte von Abiturienten der Spätberufenenschule Fockenfeld in die Priesterseminare verschiedener, Diözesen und auch des Ordens läßt erkennen, daß der einst beschrittene Weg richtig war."

Der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in der Oberpfalz, Oberstudiendirektor Dr. Hroß, rühmt der Schule nach: "Alle, die diese Schule durchlaufen haben, werden sich dankbar der persönlichen, geschickten und pädagogisch einfühlsamen Führung durch die Schul- und Heimleitung erinnern. In den amtlichen Berichten ist immer wieder von ihrer Sachkompetenz, ihrer Erfahrung und Menschlichkeit die Rede, auch davon, wie sie es in einer Mischung aus Herzlichkeit und Bestimmtheit versteht, die Schüler zu ermuntern und zum Festhalten am erstrebten Ziel anzuspornen. Das Bemühen der Schule, den Zöglingen trotz des gedrängten Bildungsganges die Augen für eine Geisteswelt zu öffnen, in der sich unsere Kultur besonders eindrucksvoll entfaltet, und ihnen durch Erziehung zu einer zeitgemäßen, christlichen Lebenshaltung eine grundlegende, menschliche Formung zu vermitteln, die unabhängig von der künftigen Berufswahl eine Bereicherung des Lebens bedeutet, stellt den charakteristischen Grundzug dieser Bildungsarbeit dar."

Die Lehrer des Gymnasiums haben zum Jubiläum eine prächtige, reichbebilderte Festschrift herausgebracht. In ihren Beiträgen spiegeln, sich ebenso eindrucksvoll die Geschichte von Kloster und Schule wie der von Franz von Sales vorgeprägte christlich-humanistische Geist des Ordens. Interessante historische Berichte steuerte Pater Josef Müller, der Senior des Hauses, ein Mann sozusagen der ersten Stunde, bei. Schüler schildern Überzeugend ihre Erfahrungen mit Schulbetrieb, Lehrern und religiös-klösterlichem Umfeld. Pater Karl Schacherl deutet unter dem Leitwort "Hilfe Über die Schule hinaus", die Gestalt des heiligen Franz von Sales und erschließt die Zeitgemäßheit seiner Spiritualität. Der Heilige habe als Humanist alle menschlichen Werte bejaht, alles Gute und Schöne, das die Welt zu bieten habe. Der Mensch dürfe und solle sich dieser Welt und seines Lebens freuen und alles gebrauchen, was Gott ihm in seiner Güte schenke. Er habe aber auch die Aufgabe, seine Anlagen und Fähigkeiten auszubilden und jedes Talent zu nützen. Doch müsse zu aller Weltbejahung die restlose Hingabe an Gott hinzutreten. Solche ganzheitliche Bildung im Sinne des Heiligen nennt Pater Schacherl das Hauptziel der Fockenfelder Schule. Orden, Lehrer und Schüler feiern ihr Jubiläum am 21. und 22. Juni in Fockenfeld. Am Samstag versammeln sie sich in der Kapelle zu einem Vespergottesdienst, um 18 Uhr spielen die Studenten im Festsaal "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch. Dem Festgottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr in der Seminarkirche schließt sich eine Feierstunde im Festsaal an. Dazu werden auch prominente Ehrengäste erwartet.

Nun wende ich mich dem großen Unternehmen, zu, dem Therese Neumann bis an ihr Lebensende anhing, der Gründung des Anbetungsklosters "Theresianum" in Konnersreuth. Wie das eigentlich zuging und wie sehr die Stigmatisierte von der "Idee" eines Klosterbaus in ihrer Heimatgemeinde geradezu besessen war, ist den meisten Zeitgenossen kaum. oder nur bruchstückhaft bekannt. Aufs neue bat ich Ferdinand Neumann, den Bruder der Mystikerin, mir die Geburt jener "Idee" darzustellen und den Hintergrund zu beschreiben, von dem her das Werk erst umfassend verständlich wird. Ferdinand war Zeuge der ersten Überlegungen, wie der Plan anzugehen und zu verwirklichen sei. Auch da taten sich Schwierigkeiten auf, gab es Verwicklungen und Verwirrungen. Auch Ärger blieb nicht aus. Der folgende' Bericht des Bruders gibt nicht nur baugeschichtliche Aspekte wieder, er läßt auch interessante Rückschlüsse auf die Spiritualität der Therese Neumann, auf ihre Hingabe an das Werk, ihre Selbstlosigkeit und ihr Verständnis von Weltkirche zu, die damals aufbrach, sich im römischen Konzil von Grund auf zu erneuern.. Doch nun gebe ich Ferdinand Neumann, dem Freunde, das Wort:

"Als die Resl anläßlich der Inthronisation des Bischofs Dr. Rudolf Gräber in Regensburg weilte, trug ihr der Bischof einen Plan vor. Er wünsche sich für seine Diözese, sagte er, ein Kloster, in dem für die Anliegen des Bistums gebetet werde. Ein solches Kloster habe er in Frankreich kennengelernt. Die Resl hatte sich bereits seit längerer Zeit Gedanken darüber gemacht, welchem Zweck man ein in Konnersreuth verfügbares Grundstück zuführen könne. Nach ihrem Besuch in Regensburg Überlegte sie, ob man auf ihm nicht ein Kloster errichten könnte. Sofort zog sie Fachleute des Bauwesens zu Rate. Auch über die Finanzierung machte sie sich Gedanken. Doch dazu hatte sie nur recht laienhafte Vorstellungen anzubieten. Mut machte ihr das einst für Fockenfeld so großzügig gewährte Darlehen des Fürsten Waldburg-Zeil. Doch der Fürst war 1953 durch einen Autounfall ums Leben gekommen. Mit dessen Frau Monika stand die Resl weiterhin in freundschaftlicher Verbindung. Sie bat die Fürstin um ihren Besuch, um mit ihr den Klosterbau zu besprechen. Frau Monika vertrat mit Resl die Meinung, daß, Fockenfeld nun wenigstens einen Teil des vor dreizehn Jahren zugesprochenen Darlehens zurückzahlen könne. Dieses Geld werde man dann als Grundstock für das geplante Kloster verwenden. Fockenfeld befand sich damals bereits in einer günstigen Wirtschaftslage ., Tags darauf verhandelte die Fürstin mit den Salesianern und erhielt prompt 50000 DM für den Klosterbau. Die Resl war sehr froh darüber, wenigstens einen Teil der Finanzierung sichergestellt zu haben. Jetzt fühlte sie sich um so mehr ermutigt, die Planung voranzubringen. Sie besprach das Vorhaben mit einem Architekten aus Augsburg und gab ihm den Auftrag, einen Bauplan anzufertigen. Es mutet mich noch heute eigenartig an, daß mir dieser Architekt den Bauplan am Beerdigungstag der Resl Übergeben hat.

Im Mai 1959 war meine Schwester Ottilie verstorben. Ihr hatte man die Verwaltung jenes Hauses in Eichstätt übertragen, das dem Professor Wutz gehörte. Dieses Gebäude war inzwischen in das Eigentum des Fürsten Waldburg-Zeil Übergegangen. Die Resl hatte von der Fürstin die Erlaubnis erhalten, Über die Einrichtungsgegenstände des Hauses zu verfügen und sie von dort wegzuholen. Dabei ging es vor allem um die Hauskapelle des verstorbenen Professors mit ihrem wertvollen Altar. Dessen Abholung nach Konnersreuth wurde immer wieder verschoben. Doch Ende Juli 1962 bat mich die Resl, mit ihr nach Eichstätt zu fahren, um endlich das Haus auszuräumen. Ich mußte vor allem deswegen dabeisein, um den Altar zu demontieren. Denn die Einrichtung der Kapelle wollte Therese für das geplante Kloster in Konnersreuth sicherstellen. Leider nahm man dann später auf diesen ausdrücklichen Wunsch der Resl keine Rücksicht. Ein Teil des schönen Altars steht jetzt in einem Nebenraum des Theresianums.

Im Juli 1962 besuchte Fidel Götz aus Weingarten, ein Großunternehmer, die Resl. Dieser war Konnersreuth schon seit langem sehr zugetan. Auch mit ihm besprach Therese eingehend das Vorhaben des Klosterbaus. Ende August ließ Götz die Resl und Pfarrer Naber nach Weingarten holen. Sie blieben dort eine ganze Woche. Der Gastgeber sicherte der Resl zu, daß er sowohl technisch wie auch finanziell für den Klosterbau die volle Verantwortung übernehme. Die Resl solle sich nun nicht mehr darum kümmern.

Zur gleichen Zeit war auch Kardinal Augustin Bea Gast der Familie Götz. Dieser sprach mit der Resl über das bevorstehende Vatikanische Konzil und schilderte ihr dessen theologische und kirchengeschichtliche Bedeutung. Beim Abschied bat er die Resl, sie möge doch für das Gelingen des Konzils beten. Sie versprach ihre Gebetshilfe und fügte hinzu, sie sei sogar bereit, ihr Leben zu opfern, wenn sie auf diese Weise beitragen könne daß die Beratungen der Konzilsväter zu einem guten Ende kämen. Kurz nach dem Tod der Resl schrieb Kardinal Bea Pfarrer Naber einen Brief, in dem er bemerkte, daß er nach wie vor stark beeindruckt sei von dem Versprechen, das, ihm die Resl in Weingarten gegeben habe.Die Resl hatte sich auch schon Gedanken darüber gemacht, welche Ordensgemeinschaft für das neue Kloster in frage kommen könne. Mit zwei Frauenklöstern stand sie bereits in Verbindung. Am:13. September meldete sie sich telefonisch bei mir und bat mich, ich solle noch heute nach Konnersreuth kommen Und ein Meßband mitbringen., Götz wolle nämlich die genauen Flächenmaße des Baugrundstücks wissen. Noch am gleichen Tag vermaßen wir das Grundstück. Dabei verhielt sich die Resl überaus lebhaft, so daß kaum auffiel, daß es mit ihrer Gesundheit nicht gut bestellt, war. Aufgefallen ist mir, nur, daß sie wiederholt sagte, den Bau dieses Klosters hätte sie noch gerne miterlebt. Auf meine Bemerkung, daß damit doch bald begonnen werde, gab sie keine Antwort.

Dieser Tag der Landvermessung verlief für mich auch noch in anderer' Hinsicht merkwürdig. Als ich am Abend nach, Bamberg zurückfahren wollte, bat sie mich, zu warten, denn sie habe mit. mir hoch, etwas Wichtiges zu besprechen. Sie wolle dies aber ungestört tun, und ich solle sie deshalb zu ihrem Garten außerhalb der Ortschaft fahren. Dort nahm sie mich im Auto an der Hand und sprach zu mir über Dinge, die mich ganz persönlich betrafen. Deren Sinn ging mir erst viel später auf. Aber den Schluß dieser Mitteilungen vermag ich nicht zu verschweigen. Sie sagte: Ferdl, vergiß ja die Verstorbenen, die Armen Seelen, nicht! Bete jeden Tag für sie! Aber Du sollst nicht nur beten, sondern auch Deine täglichen Sorgen für sie, aufopfern. Wir tun viel zu wenig für die 'Verstorbenen. Sie brauchen unsere Hilfe. Aber sie wollen nichts umsonst. Sie sind sehr dankbar für unsere Hilfe, und sie helfen uns dafür in verschiedener Weise. Behalte diese meine Bitte nicht für Dich, sage sie vielmehr allen Menschen, mit denen Du je, zusammen kommst! So jetzt kannst Du heimfahren.

Ich wollte nun Therese zum Elternhaus zurückbringen, aber sie lehnte ab und meinte: Du kannst gleich Über Mitterteich fahren, ich gehe zu Fuß heim. Dies schien mir ein Zeichen zu sein, daß sie sich am Abend dieses 13. September nicht gerade krank oder geschwächt fühlte. Doch wenige Tage darauf, am 18. September, benachrichtigten mich meine Angehörigen, daß meine Schwester Resl verschieden war."

Therese Neumann hatte den Bau, die Bauvollendung und die Einweihung "ihres" Klosters tatsächlich nicht mehr, erleben dürfen. Die Bauarbeiten gingen rasch voran und beanspruchten nur so wenig Zeit, daß man in der Tat sagen konnte, die Gebäude seien buchstäblich aus dem Boden gestampft worden. Die für die Besiedlung des Klosters bestellten Ordensfrauen hatten sich bald eingelebt und gaben sich freudig der Anbetung und dem Werk der dienenden Liebe hin. Zehn Jahre waren bereits ins Land gezogen, als .,ich mich entschloß, die Ordensniederlassung zu besichtigen und mit den Schwestern ein Gespräch zu suchen.. Mich interessierte vornehmlich, ob und inwieweit man dort jene Absichten verwirkliche, die Therese Neumann einst bewogen hatten, die Klostergründung ins Auge zu fassen. Zu, meiner großen Freude durfte ich einer Schwesterngemeinde begegnen, die ich dem geistlichen Erbe der Stigmatisierten rundum verpflichtet, wußte, so daß ich am 10. März 1973 das klösterliche Leben dort so beschreiben konnte:

Wer von Mitterteic h her auf der Landstraße nach Konnersreuth fährt, dem fällt beim Blick auf den höhergelegenen Marktflecken zur Linken ein breit hingelagertes Gebäude mit einer Kirche auf: das Theresianum. Was ist das? Da auch viele Einheimische gar nicht recht zu wissen scheinen, was es mit diesem Hause auf sich hat, seien diesem Bericht einige klärende Worte vorausgeschickt.

Das Theresianum ist ein Kloster. Es gehört der Kongregation der Marienschwestern vom Karmel und ist dem Mutterhaus in Linz sowie dem Provinzhaus in Regensburg unterstellt. Zwölf Schwestern und achtunddreißig Pensionärinnen bewohnen es. Die Kongregation gehört zum Orden vom Karmel, den Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz reformiert haben. Die Schwestern leben nach einer eigenen Konstitution, die gemäß der originären Regel des Karmeliterordens verfaßt ist. Theresianum - das besagt, daß das Haus einer heiligen Theresia geweiht ist, doch nicht jener von Avila, sondern der Theresia von Lisieux, die sich Therese Neumann als Vorbild erwählt hatte, der sie beharrlich nachstrebte und zu der sie eine innige Verehrung hegte.

Wie kam es zur Gründung dieses Klosters? Darüber gehen zahlreiche Gerüchte, Ungereimtheiten und Vermutungen um. So behaupten etwa Gegner der Stigmatisierten, dieses Haus habe soviel wie gar nichts mit ihr zu tun. Sie habe ja nicht einmal dessen Bau miterlebt. Dennoch hat Therese Neumann daran entscheidenden, wenn nicht den wesentlichen Anteil. Die Wahrheit ist:. Sie hatte immer wieder den Wunsch geäußert, man möge in Konnersreuth Schwestern ansiedeln, die sich der Kranken und Kinder annehmen sollten. Dieser Wunsch deckte sich, weitgehend mit der Absicht des Regensburger Bischofs Dr. Rudolf Graber, in seiner Diözese ein Anbetungskloster zu errichten. Therese griff den Plan begeistert auf und ließ nichts unversucht, um ihn zu verwirklichen. Noch kurz vor ihrem Tod war sie intensiv damit beschäftigt.


Das Anbetungskloster Theresianum ist zu einem Anziehungspunkt für viele geworden, die jahrüber von weither Konnersreuth besuchen, um der Stigmatisierten zu gedenken.

Der Karmeliterorden hat in seiner strengen Form beschaulichen Charakter. Seine Mitglieder leben in Klausur. Die Konnersreuther Schwestern ließen mich wissen, daß auch sie der Klausur verpflichtet seien, doch nicht in einem absoluten Sinne: "Unser Leben besteht in der Hauptsache aus Gebet (Beschaulichkeit) und Arbeit. Stets Pflegen wir Kontakt mit jenen Menschen, die wir zu betreuen haben und auf deren persönliche Anliegen wir eingehen müssen." Worin,' so fragte ich, sehen Sie ihre Hauptaufgabe? "Unser Hauptauftrag, also unser monastisches Merkmal, ist die Anbetung des Herrn im Sakrament. Deshalb heißt ja unser Haus Anbetungskloster." Und wann und wie lange beten Sie? In unserer kleinen Kirche ist tagsüber das Allerheiligste in einer Monstranz ausgesetzt. Wir beten jeden Tag ab der Morgenmesse durchgehend bis zur Abendandacht gegen 18 Uhr, von Donnerstag auf Freitag zur Erinnerung an den Tod Christi die ganze Nacht hindurch."

Aber es kann. doch zu diesen Gebetszeiten nicht stets der ganze Konvent versammelt sein. Die Befragte dazu: "Das nicht. Vielmehr betet zu den festgesetzten Zeiten jeweils eine Schwester in der Kirche eine Stunde lang, doch nicht sie allein, sondern mit ihr zwei Pensionärinnen. Denn auch sie sind zur täglichen Anbetung verpflichtet. Dieses Mittun und Mittun-Wollen war Voraussetzung für ihre Aufnahme in unser Haus. Sie kommen alle gern, um sich mit uns in der Anbetung zu vereinigen. Die Schwestern obliegen auch der Brevierpflicht, das heißt, sie rezitieren täglich mit der Gesamtkirche die Psalmen des Stundengebets. An Sonn- und Feiertagen werden sie in Gregorianischer Melodik gesungen. Das Theresianum darf also nicht als ein Altenheim im herkömmlichen Sinne verstanden werden. Dieses Miteinander von Schwestern und Pensionärinnen präsentiert sich vielmehr als eine geistliche Haus- und Lebensgemeinschaft im Geiste des Karmel.

Wie vielen anderen Orden bereitet auch der. Konnersreuther Schwesterngemeinschaft die Nachwuchsfrage große Sorgen. "Dabei gäbe es doch gerade in unserem Kloster", bemerkte eine Schwester, so vielfältige und. interessante Aufgaben. Hinzu kommt, daß eine Schwester bei uns ja nicht unbedingt und ausschließlich auf eine ganz bestimmte Tätigkeit hin festgelegt wird. Unser Wirken beschränkt sich nicht auf körperliche Arbeit. Unser Tun ist vielmehr einer religiösen Lebensform eingefügt, die den ganzen Menschen beansprucht. Ich kann nur sagen: Es ist schön in unserem Kloster."

Ich fragte, wie denn die Öffentlichkeit auf die Existenz des Klosters reagiere. Ob sie zur Kenntnis nehme, daß es den Orden überhaupt gebe und daß er einen wichtigen Auftrag zu erfüllen habe. Eine Schwester dazu: "Wir sind keineswegs isoliert. Besonders im Sommer kommen zu uns sehr viele Fremde aus aller Welt. Im Winter freilich lassen die Besuche nach. Diesem weitgestreuten Interesse entspricht auch unsere Korrespondenz. Immer wieder erhalten wir Briefe mit den verschiedenartigsten Anfragen aus Amerika, Belgien, Holland, Osterreich, der Schweiz und aus Frankreich, ja aus allen europäischen Ländern. Hinzu kommen Schreiben aus den Missionsländern, von den Philippinen oder aus Indien etwa." Und weshalb schreiben Ihnen so viele aus aller Herren Länder? "Es handelt sich dabei meistens um Leute, die sich für Konnersreuth und Therese Neumann interessieren. Jahrüber kommen auch viele Priester zu uns, nicht selten aus entfernt liegenden Ländern."

Es besteht also nach wie vor, besonders im Ausland, starkes Interesse für all das, was sich in Konnersreuth zugetragen hat? "Das kann man wohl sagen." Wie steht es denn mit den vielen Gebetserhörungen, die, Ihnen bekannt gemacht werden? Ich meine die Meldung von, Heilungen oder sonstigen Überraschenden Hilfen, von denen die Einsender überzeugt sind, daß sie auf die Fürbitte der Therese Neumann hin geschehen, sind? "Solche Mitteilungen erreichen uns immer wieder. Wir sammeln sie hier im Kloster für den Fall, daß sie einmal gebraucht werden sollten. Im gleichen Jahr 1973 feierten die Schwestern das zehnjährige Bestehen ihres Klosters.. Doch nicht als rauschendes Fest, sondern fern allem lauten Getriebe in stiller Freude und Dankbarkeit. Immerhin war der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Gräber: zur Mitfeier gekommen. In seiner Predigt erinnerte er an den Tag der Einweihung des Klosters und die Konsekration der Kapelle, zu der er vor zehn Jahren ungezählte Gläubige und mehrere Bischöfe habe begrüßen dürfen. Die Gründungsgeschichte des Klosters, die von der Person der stigmatisierten Therese Neumann nicht abzulösen , sei, nannte er wunderbar und vorsehungshaft. Dieser Bau sei das Vermächtnis und die Krönung ihres Lebens. Der Bischof beklagte, daß das Verständnis des Sinnes der Anbetung immer mehr schwinde und der Mensch sich fern von Gott und wider alle Vernunft in den Mittelpunkt der Geschichte rücke. Mit ihrem Klosterplan habe Therese Neumann im letzten erstrebt, daß in Konnersreuth eine Stätte der schenkenden und empfangenden Liebe entstehe. Sie habe das heute so viel strapazierte Wort von der "Mitmenschlichkeit" überzeugend in die Tat umgesetzt.

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